Breadcrumbs

Warum ist ein Angreifer ein Angreifer?

 

Im Aikido geht es darum, eben nicht zu kämpfen.

Dazu ist es natürlich notwendig, die entsprechenden Techniken zu üben. Aber warum?

Warum Aikido?

Das liegt wiederum in der Psyche des Aikidoka begründet. Wir Aikidokas wissen, dass ein Kampf niemals das Mittel der Wahl ist.

Denn Kampf gebiert immer nur wieder Kampf, Hass, Krieg etc. Wir haben verstanden, dass es hilfreicher und angenehmer ist, den Weg des Friedens zu gehen.

Dies ist den Aikidokas mehr oder weniger bewusst. Den Einen mehr, den Anderen weniger, aber im Grunde ist es allen klar.

Dies hängt zum Teil mit der Erziehung zusammen und zum Teil mit der Umwelt in welcher wir aufgewachsen sind.

Wir alle sind entsprechend gepolt.

Bei einem Angreifer sieht dies anders aus. Wozu aber müssen wir dies wissen?

Aikido ist der Weg des Friedens, der Liebe und Barmherzigkeit. Hier gehst es darum, dem Angreifer genau dies entgegen zu bringen.

Dafür jedoch brauche ich für ihn Verständnis.

Zuerst einmal muss ich verstehen, was ihn antreibt. Wenn ich das weiß, dann kann ich ihm rechtzeitig den Wind aus den Segeln nehmen, indem ich ihm verständnisvoll gegenüber trete. Anstatt, wie wie er es erwartet, feindlich.

So können wir schon im Vorfeld einen Kampf verhindern.

Jemanden in den Arm zu nehmen, ist angenehmer, als ihn zu hauen, oder mit ihm zu ringen. Wir haben diese Wahl.

Ein Angreifer hat diese nicht.

Die Motivation des Angreifers ist eine völlig andere. Nun denn, befassen wir uns jetzt mit der Motivation des Angreifers:

Die psychische Verfassung ist entscheidend.

Hier wird der Grundstein schon bei der Zeugung gelegt. Im Moment der Zeugung haben Vater und Mutter eine bestimmte gefühlsmäßige Verfassung. Diese emotionale Schwingung überträgt sich bei der Zeugung bereits auf das neu entstehende Leben bzw. ist dessen Grundstein im Leben. Mal angenommen:

Beide Eltern fühlen sich wohl, sind von Liebe erfüllt, wollen und freuen sich auf ein Kind. Diese Liebe und Freude nun wird zur Motivation des Kindes. Es kann sich gewollt, geliebt und geborgen fühlen. somit hat es überhaupt keinen Grund sich anders zu fühlen, als geliebt.

Nun nehmen wir an:

Eine Frau wird überfallen, misshandelt und daraufhin vergewaltigt. Die emotionlen Befindlichkeiten der Eltern bilden auch hier den Grundstein, die Grundmotivation des Lebens, des soeben gezeugten Kindes.

Von Liebe keine Spur.

Dem Vater geht es darum, Macht über Schwächere auszuüben, gewalttätig zu sein und seinen Trieb abzureagieren. Er will gar kein Kind.

Die Mutter hingegen ist voller Angst vielleicht sogar Todesangst. Mit ihr wird umgegangen, als wäre sie kein Mensch, sondern irgendein Objekt, welches man nach Belieben benutzt und dann wegwirft. Wahrscheinlich ist sie hinterher nur froh, überlebt zu haben und dass es vorbei ist. Auch sie will kein Kind von diesem Mann.

Was bedeutet dies nun für dieses Kind?

Es vereinigt in sich nun die Eigenschaften bzw. emotionalen Befindlichkeiten beider Elternteile.  Auf der einen Seite ist es mit der Motivation aufgeladen, Macht auszuüben und sich abzureagieren, auf der anderen Seite hat es Angst davor, dass mit ihm so umgegangen wird, wie mit seiner Mutter.

Es fühlt sich nicht gewollt, nicht geliebt und nicht behütet. Es wird sein Leben lang nach Anerkennung und Liebe suchen. Gleichzeitig wird er natürlich aus Angst vor Gewalt anfangen, selbst Gewalt auszuüben.

Es wird seinen Platz im Leben nicht finden.


Dies sind natürlich zwei Extrembeispiele.

Sie sind aber absichtlich so gewählt, da der Kontrast enorm ist und die Dinge auf diese Weise deutlich werden. Der überwiegende Teil von uns Menschen befindet sich irgendwo dazwischen.

 

Gut, gehen wir einen Schritt weiter und befassen uns mit der Erziehung:

Stellen wir uns vor, das sowohl die Eltern als auch die Umwelt darauf achten, was die Neigungen und Interessen des Kindes sind und diese nach Kräften unterstützen, es zu nichts zwingen, im Gegenteil es fördern ohne es zu verhätscheln, es Dinge tun und Erfahrungen machen lassen (schöne und auch schmerzhafte). Sie bringen ihm bei, dass es auch noch andere Menschen, mit gleichen Rechten auf dieser Welt gibt und das eigene dort aufhören, wo die des Anderen beginnen.

Es wird sich gut fühlen, angenommen und anerkannt. Es fühlt sich geliebt, verstanden und geborgen. Und es ist sozial kompetent.

Es ist selbst friedlich, liebevoll, verständnisvoll und geduldig. Eben der Aikidoka in Reinkultur.

 

Nun stellen wir uns das Gegenteil vor:

Den Eltern ist das Kind völlig egal, eigentlich wollen sie nur ihre Ruhe haben. Das Kind soll nicht auffallen und schon gar nicht unangenehm. Die größte Angst der Eltern ist das Gerede der Leute. Deshalb wird von Anfang an jede Idee und Initiative, die nicht in ihre Vorstellung davon passt, wie ein Kind sich zu verhalten hat, verhindert. Nicht eigene Ideen und Wünsche sind maßgebend, sondern die der Eltern, Umwelt und Gesellschaft.

Es wird in allem unterdrückt was es für sich will.

Sämtliche Ideen und Wünsche des Kindes die nicht in die "Norm" passen, werden schon im Keim erstickt. Das Kind wird mit Forderungen und Verboten groß. Es wird ständig für sogenanntes "Fehlverhalten" bestraft.

Das Kind wird immer wütender und / oder resignativer. Alle Verbote, Strafen und Forderungen füllen über die Jahre wie Tropfen ein Fass. Dies geht solange "gut" bis ein Tropfen das Fass zum überlaufen bringt. Spätestens dann entscheidet sich der Weg des Kindes.

Es will endlich ausbrechen und aus Rache selbst derjenige sein, der bestraft.


Dies läuft auf 2 Möglichkeiten hinaus.

  1. Entweder es bestraft die Eltern damit, dass es ständig krank ist und die Eltern sich nun dauernd um das Kind kümmern müssen und sich nun doch auf die Bedürfnisse des Kindes einlassen müssen (In Form z.B von Artzbesuchen)
  2. Oder aber das Kind wählt den offensieveren Weg und wird aggressiev bis gewalttätig. Das geht vielleicht soweit, dass es irgendwann die Eltern verprügelt oder schlimmeres. Der Hass und die wütende Rache nehmen dann Überhand. Das fatale ist nur, dass wenn die Wut sich mal entladen hat,  das Fass trotzdem voll bleibt bzw.  ständig überläuft. Die Wut nimmt nicht mehr ab und das einstige Kind, welches ja nur Liebe, Anerkennung und Geborgenheit wollte, ist in dem ständigen Drang gefangen, sich erstens dauernd abzureagieren bzw. zweitens ständig auf der Suche nach Liebe und Verständnis, was es auf Grund seines gelernten Verhaltens nie bekommen wird. Ein Teufelskreis!

 

Diese Menschen haben in dem was sie tun, eine ganz bestimmte Intensität. (Diese Intensität ist es, mit der wir Angriffe im Aikido-Üben ausführen sollten, um die Ernsthaftigkeit zu erfahren und mit der wir arbeiten sollten. Dazu mehr in einem späteren Beitrag).

Diese Intensität macht anderen Angst.


Auch hier habe ich natürlich wieder extreme Beispiele genannt. Auch hier befinden sich die meisten Menschen dazwischen. Ich hoffe aber, dass ich deutlich machen konnte, was einen Angreifer antreibt.

Letzten Endes läuft alles darauf hinaus, dass das Kind auf der Suche nach Liebe, Akzeptanz und Geborgenheit ist.

--------------

Wenn wir als Aikidoka in der Lage sind, einen Angreifer dies entgegen zu bringen, dann werden wir im Vorfeld schon dafür sorgen, dass es garnicht zu Handgreiflichkeiten kommt.

Denn wir strahlen Wohlwollen und Herzlichkeit aus, so dass sich niemand in unserer Gesellschaft an seine Kindheit erinnert fühlt. Vielleicht findet er in uns ja auch das, wonach er schon so lange sucht.

Dadurch, dass wir uns geistig dahin entwickeln, werden wir dann auch nicht in solche Situationen geraten.

Wir müssen uns jeglicher Beurteilung anderer Menschen enthalten, müssen leer sein, nur dann können wir mit den Situationen so umgehen, wie es die Situationen erfordern, so wie es das Takemusu im Aikido vorsieht.

Wenn wir ohne Vorurteile auf andere Menschen zugehen, dann haben wir ein Stück Freiheit erlangt.

 ---------------

Erinnert Ihr Euch?

Dem Vater geht es darum, Macht über Schwächere auszuüben, gewalttätig zu sein und seinen Trieb abzureagieren.

Die Mutter hingegen ist voller Angst vielleicht sogar Todesangst. Mit ihr wird umgegangen, als wäre sie kein Mensch, sondern irgendein Objekt, welches man nach Belieben benutzt und dann wegwirft. Wahrscheinlich ist sie hinterher nur froh, überlebt zu haben und dass es vorbei ist.

Hier sind beide Kinder die Opfer, die Opfer davon wie andere sie haben wollten.

Das eine ist ausgebrochen und selbst zum Täter geworden, das andere ist Opfer geblieben.

Wir haben es in der Hand, wie unsere Gesellschaft sich entwickelt, ja die Menschheit.

Geben wir den Kindern was sie brauchen, lieben sie, anerkennen sie in ihrer Individualität und fördern sie nach ihren Eigenschaften.

Wenn wir danach handeln wie Christus uns wies, dann werden wir  irgendwann auf Erden in Frieden und Liebe leben,

dann wird der Löwe beim Lamm liegen und das Lamm behüten.